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Von Meilen, Römern und einem Geschenk des Bundes

Vorgeschichte

Ich machte meine Sippe heiß, damit wir den Sippenwettbewerb »Miles and More« endlich gewinnen, nachdem es in den Vorjahren Probleme bei der Wertung für uns gab. Das hat dann in dem einen Jahr bis zum BuSiFe 2014 tatsächlich so gut geklappt, dass wir gewannen. Unser Ziel war es, den Miles-and-More-Hopo endlich mal so richtig zu benutzen. Der sah ja von Jahr zu Jahr immer so sauber aus…

Nun gewannen wir aber zusätzlich zum Wanderpokal »Hopo« noch einen Satz Sippenheringe und die Geocachingfahrt, um welche es sich in diesem Artikel eigentlich dreht.

Die Fahrt

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Unterwegs in der verschneiten Eifel

Da wir nun mittlerweile alte, faule Rover sind, nehmen wir also unsere gesamte Roverrunde Kerberos mit (zugegeben: trotzdem sind wir nur zu fünft). Eigentlich habe ich, als ehemaliger Sippenführer der Sippe, eher keine Ahnung, was uns erwartet oder wie das Ganze überhaupt vonstatten gehen soll, wenn man dann vor Ort ist. Was ich weiß ist aber, dass man mithilfe eines GPS-Gerätes irgendwelche Boxen mit Aufgaben finden soll und die Lösung dieser dann irgendwie zur nächsten Herausforderung führt. Dazu kommt: GPS ist nur bis auf 30m garantiert genau. In anderen Worten: Wenn es schlecht läuft, stehen wir 30 Meter vom Ziel weg.

So habe ich mich also mit Niklas im Vorhinein besprochen und ein GPS-Gerät von Bekannten ausgeliehen. Welche Strecke wir letztendlich laufen wollen (und das damit einhergehende Thema) haben wir uns in der Roverrunde zuvor ausgesucht. Für uns Germanen (unser Stamm liegt auf östlichen Seite des Rheins) sollte es in den Kampf gegen die Römer gehen, die Köln belagern.

So sitzen wir fünf also im Zug Richtung Nettersheim, um die Römer auszuspionieren und die geheimen Informationen unserem Stammesoberhaupt mitzuteilen. Die Wettervorhersage sagt uns: 4-6 °C und das gesamte Wochenende Regen. Nicht das angenehmste zum Haiken. Dazu ist es schon dunkel, weil wir wegen den Studenten erst relativ spät los konnten. Und jetzt noch so eine Box im Versteck finden? Ich weiß nicht. Aber wir kommen gegen 20:30 Uhr in Nettersheim an und laufen los zum Startpunkt. Als wir dann fast da waren, entschieden wir uns dafür, uns hinzulegen, weil doch sehr eisiger Wind ging. Wir kochten noch und legten uns schnell schlafen.

Die Wettervorhersage sagt uns: 4-6 °C und das gesamte Wochenende Regen. Nicht das angenehmste zum Haiken.

Morgens standen wir früh auf, dass wir möglichst viel Licht ausnutzen konnten; die Aufgaben mussten schließlich gefunden werden. Als es dann heller wurde fing es an zu schneien. Alles wurde mit einem seichten Weiß belegt. Wir liefen dann zum ersten Punkt. Hier soll das Versteck sein! Aber wo ist denn jetzt das Ding? Nach längerer Suchaktion fanden wir es dann endlich. Wir erledigten die Aufgabe und verglichen unser Ergebnis mit der »Musterlösung«, die Niklas mir mitgegeben hat, falls es etwas unverständlich ist.

Es ging weiter. Durch Nettersheim Richtung des einen schönen Schlafplatzes, die die Tour für je einen Abend bereithält. Wir erledigten die Aufgaben und waren schließlich an besagtem Platz. Sehr cool, schade, dass wir gestern nicht bis hier gelaufen sind. Weiter ging es, den Römern den Garaus zu machen. Mittlerweile lag auch schon sehr viel Schnee, eindeutig besser, als Regen. Auf unserem Weg durch römisches Gebiet erkundeten wir Kanäle, Flussläufe und lösten uns aufgetragene Rätsel. Die Aufgaben fanden wir mal schneller, mal weniger schnell. Als es dunkler wurde, kamen wir zur Kakushöhle, wo wir es uns gemütlich machten. Das Feuer tat gut, weil es schön wärmte.

Die Geo-Fahrtengruppe
Die Geo-Fahrtengruppe

Der nächste Morgen. Es hatte aufgehört zu schneien. Sogar die Sonne ließ sich heute blicken! Wir mussten weiter und Köln zurückerobern, indem wir weiterhin die römische Trinkwasserversorgung erkunden. An Brunnen und Aquädukten wurde Halt gemacht. Nachmittags kam uns Kall und damit das Ende des Haiks schnell näher. Wir haben uns in das Logbuch eingetragen, dass alle Geocacher dokumentiert und sind nach Hause zurück.

Fazit

Ich finde es ganz witzig, mal mit einem GPS-Gerät auf Fahrt zu sein. Wir sind uns alle aber auch einig, dass die gute alte Karte doch cooler und angenehmer zu lesen ist. Wir als Rover waren vielleicht schon etwas zu alt für die Aufgaben. Nichtsdestotrotz sind die Informationstafeln und historischen Stätten sehr interessant. Ich empfehle die Fahrt allen Sippenführern, die Sipplinge im Alter von ca. 13 bis 15 haben. Ihr müsst auf jeden Fall relativ laufstark sein und auch den ganzen Sonntag einplanen, denn viel früher werdet ihr nicht zurück sein. Wir empfanden die Laufstrecke von ungefähr 35km als sehr angenehm.

Also: Packt euch eure Sipplinge und los geht‘s in die Eifel (oder zu einem der anderen Geocachingziele) und erlebt eine Fahrt mal anders!

Geo-Fahrten

Bereits seit letztem Jahr bietet der Bund Geofahrten für Sippen an. Die funktionieren wie moderne Schnitzeljagden: Man jagt einem Punkt nach dem anderen hinterher, nur eben mit einem GPS-Gerät statt mit einer Karte.

Die Geo-Fahrten des Bundes (bisher gibt es drei verschiedene Strecken, eine in der Eifel, eine im Siebengebirge und eine in Grönland [sic.]) bieten dabei allerdings mehr als eine Schatztruhe am Ende. Vielmehr lotsen sie euch eine komplette Fahrt entlang, bieten Schlafplätze und interessante Punkte und können so eine einfache Sippenfahrt ungemein bereichern.

Mehr Informationen im Netz unter www.fahrt.dpbm.de/geo-fahrt/.

Montenegro – Unser erstes großes Abenteuer fern der Heimat

Kurz bevor wir nach Montenegro aufgebrochen sind, rief mein Freund Armin vom Stamm Roter Milan, an. Bei ihm waren einige Leute aus der Fahrtengruppe abgesprungen. Er fragte nach, ob wir unsere Fahrtengruppen vereinigen könnten. Bislang waren aus meinem Stamm Monte Veritá lediglich Ältere dabei, bei den Jungs vom Roten Milan allerdings zwei Sipplinge. Doch wir sahen das für uns als neuen Stamm als große Chance, um zu lernen, mit Kindern auf Fahrt zu gehen und sagten ja.

Es war ein voller Erfolg. Wir wurden sehr schnell zu einer Einheit, bei der für Außenstehende schwer zu erkennen war, wer jetzt zu wem gehörte. Ich denke wir »alten Säcke« konnten von den Jungen profitieren, und genauso konnten die Jungen von uns »alten Säcken« profitieren. Wir hatten einige Momente auf unserer Großfahrt, die uns wahrscheinlich noch lange im Kopf

Bachüberquerung mit Hund
Bachüberquerung mit Hund

bleiben und die wir bestimmt noch am Lagerfeuer mal zum Besten geben werden. Das spontane Hagel-Gewitter im Biogradska Gora, der nächtliche Angriff eines Eichhörnchens, die Rettung von Straßenhund Herbert, die Brücke mit der ich in die Tara gefallen bin, der ausgelöste Feuerwehreinsatz, der aufdringliche Park Ranger, die schimpfende Oma, […] und das waren nur ein paar der Highlights von denen ich zumindest noch in 20 Jahren erzählen werde.

Unsere Sommerfahrt bot die Chance sich und die Leute um sich herum intensiv, ungeschminkt und drei Wochen lang kennenzulernen. Da fallen schon mal Hüllen, da werden auch Eigenschaften freigelegt die man so am Anderen noch nicht kannte. Doch schließlich rückt man dabei noch enger zusammen. Ich habe beispielsweise Dresen seitdem nicht mehr wiedergesehen. Doch ich weiß, dass wir uns sofort kaputt lachen und rumfeixen werden, wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen.

Ein besonders schöner Moment für mich war folgender: Ich musste das Wochenende vor dem Bundeslager nach Hause fliegen, um zu einer Hochzeit zu gehen. Als ich sonntags wieder zurückflog hatte ich noch Karline, aus unserem Stamm, mit im Gepäck. Wir übernachteten in Kotor an derselben Stelle an der ich bereits ein paar Tage zuvor mit der Fahrtengruppe und dem Stamm Galaxias übernachtet hatte. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Taxi, und dem Gewürzbeutel, den wir am Schlafplatz an einer Palme hängend wiedergefunden hatten, in Richtung Grahovo die Straße entlang. Dabei schauten wir rechts und links aus dem Fenster, weil wir die Hoffnung hatten Pfadfinder, und am besten welche aus unserer Fahrtengruppe, zu finden. Wir fuhren und

Bachüberquerung mit Boot
Bachüberquerung mit Boot

fuhren doch sahen niemanden. Als wir um eine Kurve bogen, tauchten vor uns die zwei zerlumptesten Gestalten auf, die ich jemals gesehen habe: Es waren Crissy und Carsten inklusive Herbert aus unserem Stamm. Geplagt von der steilen Süd-Anwanderungsroute mit leichtem Sonnenbrand. Wir ließen den Fahrer halten und freuten uns, endlich wieder dabei zu sein.

Es ist wichtig für die eigene Identität, alleine auf Fahrt zu gehen. Ob als Sippe, als Meute, als Stamm – für die jeweilige Gruppe sind eigene Fahrten definierend. Das war uns vorher klar und es war unser Ziel, diese Fahrt als Stamm zu erleben. Doch wenn man um Hilfe gebeten wird, sollte man nicht zögern und die Gelegenheit beim Schopf packen. Letztlich ist etwas Großartiges daraus entstanden, weil wir es für ebenso wichtig hielten, dass die kleinen Milane auch eine schöne Sommerfahrt haben.

Ich hoffe, wir kommen bald endlich mal zusammen zum Fahrten-Nachtreffen und starten in den zweiten Teil vom Abschlussessen. Bis bald!

Marie auf den Philippinen: Ein Besuch mit Folgen

Die vielen neuen Eindrücke der ersten Tage noch gar nicht richtig verarbeitet, geht es gleich weiter mit neuen Erkenntnissen und Erlebnissen! Von Tag zu Tag, von Begegnung zu Begegnung, von Erlebnis zu Erlebnis werde ich spüren und sehen wie groß die Unterschiede zum eigenen Land sind.

Tag 4

Heute ist ein besonderer Tag, denn ich soll Gina und ihre Familie persönlich kennenlernen. Gina? Wer ist denn das? Wer die letzten Artikel über das soziale Projekt fleißig gelesen hat, wird wissen, dass die Rene Pedrozo Stiftung auch Patenfamilien vermittelt. Das heißt die ärmsten Familien vor Ort erhalten monatliche Geldspenden von Familien aus Deutschland, sodass deren Kinder zur Schule gehen können und längerfristig  die Chance auf ein besseres Leben erhalten. Gina ist das Patenkind meines Stammes. Wir unterstützen sie seit über zehn Jahren. Gina hatte als Baby eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, eine angeborene Fehlbildung der Mundregion. Der Stamm St. Willigis konnte Ginas Familie vor vielen Jahren eine Operation finanzieren. Dort wo damals eine Spalte an der Oberlippe des Mädchens klaffte, sind heute nur noch leichte Narben zu sehen. Und heute soll ich sie treffen! Das Mädchen, das mir vorher nur durch Bilder und Briefe bekannt war. Ich werde ihr in die Augen schauen. Es sind schöne Augen!

GIna
Gina

Ginas Familie ist ganz aufgeregt mich zu treffen, ebenso fühle ich mich auf dem Weg über holprige Erdwege zu ihrem Wohnviertel. Kommunizieren ist gar nicht so einfach! Ich kann meine vielen Fragen nicht direkt auf Englisch an die Familie richten. Ein Segen, dass Naldy dabei ist, der dolmetscht und meine englischen Fragen auf Tagalog übersetzt und umgekehrt. Ich erfahre, dass Gina vier Schwestern und einen Bruder hat. Die älteste Schwester ist hochschwanger. Die jüngste Schwester ist noch sehr klein, weshalb Ginas Mutter momentan nicht arbeiten kann. Ginas Vater hat keine Schulbildung und keine feste, längerfristige Arbeit. Momentan arbeitet er auf dem Bau. Manchmal auch als Farmer. Alle zusammen leben in einem Haus, das vielleicht 7 m² groß ist. Ein Zimmer. In diesem Zimmer schlafen sie alle zusammen, sie essen, sie verbringen den Tag, sie kochen. Ein Zimmer für alles, für alle! Dieses »Haus« hat keine Türe und keine Fenster. Regnet es nachts, werden sie nass. Einen richtigen Boden hat dieses Haus übrigens auch nicht. Regnet es, stehen sie im Matsch!
Familie Santos ist gerade erst umgezogen, da der letzte Monsun ihr altes Wellblechhaus zerstört hat. Das neue Haus haben sie aus Stein gebaut. Um das Land und das Haus zu kaufen mussten sie ihr Schwein verkaufen und sind jetzt trotzdem verschuldet. Die Familie kocht über offenem Feuer, wäscht Wäsche mit den Händen und mit Wasser aus einem Brunnen. Alles was wir freiwillig und bewusst für kurze Zeit am Wochenende oder im Zeltlager auf uns nehmen, haben sie Tag für Tag. Bis auf das gute Essen und die warmen Schlafsäcke. Das haben sie nicht. Die Nachbarn besitzen einige Hühner und Schweine. Nebeneffekt? Es stinkt scheußlich!

Gina ist reizend und mittlerweile 14. Sie erzählte mir sie möchte gerne Lehrerin werden. Ihr Lieblingsfach ist Mathe. Als ich sie fragte, ob sie einen Boyfriend hat, erzählt sie, dass die Kinder in der Schule oft gemein zu ihr seien und sie mobben wegen ihrer Narbe von der Operation. Aber sie erzählt auch, dass sie sich wehrt und sich nicht unterkriegen lässt!

Nachdem wir nach dem Treffen wieder im Auto sitzen und ich die Eindrücke realisiere, kann ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Von der Armut zu hören und sie dann real und live zu sehen, den Menschen in die Augen zu schauen und zu begreifen, was dies alles für sie bedeutet, das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe! Eine weitere Erfahrung, wie ich sie in meinem Leben noch nie gemacht habe und die ich nie wieder vergessen werde! Arme kleine Gina. Dank der Bildung, die sie erfährt, wird sie es irgendwann einmal besser haben!

Tag 5

Heute bin ich mit den Mädels aufgestanden. Frühstück gibt es um 4.00 Uhr morgens. Um Viertel vor sechs fährt der Bus zur Schule. In diesen steige ich heute ausnahmsweise mit ein, denn auch für mich heißt es heute Schulbank drücken. Ich bin gespannt die Schulen und den Alltag der Mädchen kennen zu lernen. Alle sind wieder ganz wuselig und aufgeregt. »Hauptattraktion Marie.« Ich falle überall auf, weil ich so groß und anders bin. Komisches Gefühl, wenn einen ein ganzer Schulhof voll kleiner philippinischer Augen anguckt. Daran werde ich mich nie gewöhnen. Im Unterricht gibt es keine technischen Hilfsmittel, Klassengröße: 45 Schüler. Die Lehrerin kommt zu spät, schminkt sich dann erstmal und hält Schwätzchen. Die nächsten 1 1/2 Stunden malen die Kinder Bilder von Shampoo/ Creme und entwerfen einen Werbespruch auf Englisch (ob ich den Sinn wohl verstehen würde, wenn ich ihre Sprache verstehen würde…?!) ich bin fasziniert über die Arbeitsatmosphäre und Ruhe in der Klasse trotz der Größe.

Lauter albernde Mädels
Lauter albernde Mädels

Nächste Station: Highschool. Die Schule darf ich nur mit Anmeldung bei der Direktorin betreten. Die ist  gerade dabei neue Gardinen für ihr Büro auszuwählen. Auffällig? Ihr Büro sieht aus wie ein Thronsaal mit wertvollen Stoffen, Vorhängen und Möbeln, während die Jugendlichen an zerbrochenen, zersplitterten Tischen und auf verbogenen Plastikstühlen sitzen. Unsympathische Frau!
Mir wird ein persönlicher Guide zugeteilt und ich werde, trotz heftigem  Widerspruch meinerseits,  in jeden einzelnen Klassenraum der Schule geführt. Ich werde jedem einzelnen Lehrer vorgestellt und von jeder einzelnen Klasse persönlich begrüßt, in dem alle aufstehen und im Chor »Good Morning Visitor« sagen (Auch hier habe ich den Sinn noch nicht verstanden). Ich bemerke, dass alles bitten und diskutieren nichts bringt, füge ich mich meinem Schicksal und lasse  gefühlte 100 Begrüßungen ganzer Klassen über mich ergehen. Unterricht ist überwiegend auf Englisch. Ich höre etwas über Vulkane, etwas darüber wie die Kleidung eines ordentlichen Philippino auszusehen hat und ich sehe zwei Kurztheaterstücke die ich aber nicht verstehe, da die Schüler Tagalog sprechen. Trotzdem spannend!
Zurück im Waisenhaus heißt es: Spielen, Hausaufgaben, Hausarbeit, flechten, tanzen, singen. Es ist immer und überall etwas los. Die Mädchen sind überaus geschickt mit Flechfrisuren! Ich bekomme jeden Tag eine neue vepasst. Generell werde behandelt wie eine Prinzessin. Ich bekomme mehr und besseres Essen. Lehne ich es ab beleidige ich sie und sie sind traurig, also nehme ich es, fühle mich dabei aber komisch. Ich habe Klopapier und die Mädels nicht.  Ich habe eine richtige Matratze, ein eigenes, besseres Bad.  Die Hausmütter und Mädchen halten sämtliche Hausarbeit von mir fern. Ich muss sie regelrecht zwingen mich auch etwas tun zu lassen. Sie versuchen alles, damit ich mich möglichst wohl fühle und merken nicht, dass sie damit teilweise das Gegenteil bewirken. Ein harter Kampf meine Wäsche selbst waschen zu dürfen! Ich glaube so langsam habe ich ihnen klar gemacht dass ich keine Extrawürste will (bis auf weniges, z.B. Klopapier)…so wird die Extrawurst von Tag zu Tag  etwas weniger. Gott sei Dank! Vor dem Schlafengehen heißt es noch »Faszination Digitalkamera«. Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist so ausdauernd Spaß mit diesem Gerät zu haben. Noch ein paar gute Nacht Lieder und schnell sind alle im Land der Träume. Hoffentlich sind es schöne Träume! Für mich war es zunächst befremdlich zu sehen, dass sich 13 Kinder ein Zimmer teilen. Aber wenn ich mir die schlafenden Mädchen betrachte, irgendwie auch schön sich jeden Abend mit seinen zwölf Schwestern in ein Schlaflager zu kuscheln.

 


An: leiter@stwilligis.de, rover@stwilligis.de
Von: marie@stwilligis.de
Betreff: Gina-SchweinHallo ihr  Lieben!
Was haltet ihr davon Familie Santos ein Schwein zu finanzieren? So kann Ginas Mutter von zu Hause aus ihren Mann beim Einkommen unterstützen. Am Haus hat Familie Santos die Möglichkeit Schweine zu halten.
Ein Mutterschwein, das alle neun Monate Junge wirft, die sie verkaufen könnten, kostet 12.000 Pesos, was umgerechnet knapp 300 Euro sind. So könnten sie ihre Schulden nach und nach abbezahlen....
Für die Familie würde es riesig viel bewirken und Naldy versprach mir, er würde regelmäßig für uns nach Ihnen und dem Schwein schauen.
Liebe Grüße, Marie

 

Zeitsprung: Tag 32

Heute ist Zeit ein paar Familien glücklicher zu machen! Nachdem wir die erste Familie nicht antreffen, beschließen wir uns zuerst um das Schwein der Familie Santos zu  kümmern. Einen Nachbarn, der selbst Schweine hält, fragten wir,  wo wir das beste Mutterschwein finden können. Der Plan ist es nämlich, dass vom ersten Wurf des Mutterschweins ein Ferkelchen an eine weitere arme Familie gegeben wird, welche dieses wiederum zum Mutterschwein großzieht und von dessen ersten Wurf wiederum ein Ferkelchen weitergegeben wird und so weiter. Längerfristig kann Familie Santos von den Schweinen die Schulden abbezahlen und hoffentlich etwas besser leben. Eine gute Nachricht: Für die nächsten drei Monate hat Ginas Vater einen festen Job. Und die Schwester brachte ihr Baby zur Welt, welches anfangs kränkelte, jetzt aber wohl auf ist.

Das Schwein auf Tour
Das Schwein auf Tour

Auf der Farm auf der wir das Schwein kaufen, wimmelt es von kleinen Ferkeln, so süß! Ich darf mithilfe von Naldy auswählen. Ich hätte am liebsten das Schlappohrschwein genommen! Das humpelt aber und ich sehe ein, dass es wahrscheinlich nicht die beste Wahl ist. Das Auserwählte Schwein kann einem richtig leidtun! Es wird an Schwanz und Ohren gepackt, bekommt einen Sack übergestülpt und wird auf den Beiwagen eines Motorrads gehievt. Das arme Schwein quiekt vor Stress. Ein paar beruhigende Worte und eine kalte Dusche helfen mäßig. Am Haus der Familie Santos angekommen, hat das arme Ferkel überall Kratzer und Striemen, Stressflecken, ein blutendes Beinchen und einen ganz blauen Schwanz. Die Straßen sind einfach zu schlecht für den improvisierten Transport von Schweinen! Aber so ist das hier wohl üblich. Immer noch besser als so manch anderer Schweinetransport, den ich in der Nachbarschaft beobachten konnte und der mir schockiert die Haare zu Berge steigen ließ.
Nun wieder zu Familie Santos: Freude und Überraschung der Familie über das Schwein war riesig! Mutter und Kinder strahlten über das ganze Gesicht. Sie könnten gar nicht aufhören zu hüpfen und danke zu sagen. Ein paar herzliche Umarmungen, von den sonst so höflich distanzierten Philippinos, habe ich auch abbekommen. Das Futter für die nächste Zeit ist erst einmal sichergestellt. In einem Monat ist das Schwein so weit von einem Leihschwein befruchtet zu werden!
Unsere Jungpfadfinder haben sich für ihre letzte Sommerfahrt eine ganz besondere Aktion einfallen lassen, auf die ich sehr stolz bin. Sie war sehr ertragreich und deckt die Kosten für Schwein und viele weitere Monate Unterstützung für Gina.

Aus Großmutters Fotoalbum

»Allerhand« war schon jetzt das Großereignis des Jahres 2015 im DPV. Grund genug für uns also, hier eine kleine Bilderauswahl zu präsentieren. Mehr Bilder findet ihr übrigens auf unserer Bundeswebsite.

Beim Postenlauf Auf der Suche nach der Partnersippe Und Links: Schüttel, Schüttel! Die Lagerhefte Frühstücksrunde beim PBMV Die Hygenie-Schulung Aufbruchsstimmung Ein Dorf aus Zelten Kröten-Wettaufbau Wilde Vandalen Lichtermeer Brennend durchs Tor Im Norden wird gefilzt Ein Mosaik! Im Kölner Jurtendom Die Masse spaltet sich zur Wanderung Lili an der Fidel Stolze Corsaren Wie aus dem Kochbuch Tilman als musikalische Erscheinung Massenabfertigung Regenguß Umbau Abends Lagerumkreisung Blick auf den Lagerplatz Ein brennendes Zeichen Rübe Erinnnert an das Meißner-Lager Flammen bis in die Nacht Abbau Abschlussrunde Abschiedslied mit Hindernissen Wilde Abschiedsgeschenke Allerhand!

Das erste Date

Da standen wirund staunten nicht schlecht: Nach einer 4 1/2-stündigen Anreise zum Führungsforum im Kloster Möllenbeck waren wir an einem altehrwürdigen Gebäude angekommen. Die Teilnehmer des Führungsforums wiesen einen Altersschnitt auf, mit dessen Höhe wir nicht ganz gerechnet hatten und waren in ausgelassener Feierstimmung. »Sind wir hier bei euch richtig?«, fragte ich eine junggebliebene Dame Mitte Sechzig. Leicht belustigt und angesäuselt antwortete sie: »Nee, zu den Pfadfindern da müsst ihr da rüber gehen, in das andere Gebäude.«

Wir, das sind Kilian, Crissy (grizzly) und Ich (basti), Mitglieder des neu gegründeten Aufbaustammes Monte Veritá aus Aachen. Beim Führungsforum würde sich eine ideale Gelegenheit bieten den Bund kennenzulernen und herauszufinden, ob die Chemie stimmt. Man könnte sagen ein erstes Date, zwanglos und unverbindlich, zum Beschnuppern.

Man knüpft ja an so ein Treffen immer gewisse Erwartungen und Vorstellungen. Unsere waren: Der Bund ist sehr musikalisch, klang im Vorfeld interessiert, nett und hilfsbereit, ist ungebunden – in politischer und religiöser Form – und besteht aus vielen individuellen Teilen, von denen er gerne und ausgelassen erzählt, und die er als Mosaiksteine beschreibt.

Am verabredeten Treffpunkt angekommen wurde nochmal das Hemd in die Hose gesteckt, die Frisur gerade gerückt und dann, unter starkem Herzklopfen, jedoch mit gerader, selbstbewusster Haltung, rein in den Laden. Die Begrüßung verlief relativ emotionslos, schließlich kennt man sich ja noch nicht richtig. Ein kurzer Händedruck, ein paar warme Worte und dann war man auch schon irgendwie da und damit beschäftigt auszupacken und zu helfen, wo noch Hilfe benötigt wurde. Man hatte ja ein ganzes Wochenende Zeit sich kennenzulernen und musste nichts überstürzen.

Die Bedeutung des Stammesnamens musste alleine ich locker dreißig Mal erzählen.

Und dann geriet man auch schon in den Sog: die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Neben der vorhandenen Musikalität des Bundes fiel uns auch noch eine außerordentliche Herzlichkeit auf. Quasi ständig wurden wir auf unsere nahezu abzeichenfreien Klufthemden und die Gründungsgeschichte unseres Stammes angesprochen. Die Bedeutung des Stammesnamens musste alleine ich locker dreißig Mal erzählen. Und jedes Mal hat es mir mehr Spaß gemacht.

Dabei fiel auch gleich die Hilfsbereitschaft des Bundes auf, die uns immer wieder zum Staunen brachte. Bei jeder zu bewältigenden Aufgaben wurde uns Hilfe angeboten. Auch stellten wir fest, dass Teile des Bundes aus derselben Gegend kommen wie wir. Ein Umzug zwecks Partnerschaft würde also nicht notwendig sein.

Jedoch kann man sich den perfekten Traumpartner nicht backen. Jeder hat seine Ecken und Kanten und manche Eigenschaften wird man an einem Partner sicher niemals zu schätzen wissen. Gleich in der ersten gemeinsamen Nacht mussten wir leider feststellen, dass es auch schnarchende Mosaiksteinchen gibt. Mit Ohropax, eisernem Willen und viel Kaffee ließ sich aber auch dieses Problem ganz ohne Paartherapie lösen.

Die Mosaiksteine, die wir kennenlernen durften, stellten sich, einer nach dem anderen, als starke und individuelle Charaktere heraus.

Die Mosaiksteine, die wir kennenlernen durften, stellten sich, einer nach dem anderen, als starke und individuelle Charaktere heraus, mit denen sich immer wieder neue interessante Gespräche ergaben. Auch in den Workshops, die wir besucht haben, herrschte eine ausgelassene Atmosphäre. Ich persönlich fand die philosophischen und in die Tiefe gehenden Gespräche des »Wer anderen ein Feuer macht« Workshops besonders anregend, was meinen ausgezeichneten Partnergeschmack bestätigte.

Wenn man sich gleich beim ersten Mal so ein ganzes Wochenende lang intensiv kennenlernt, dann fällt es schwer sich anders zu geben als man ist. Vielleicht ist es dieser Tatsache zu verdanken, dass man ganz man selbst war. Dadurch entstand schnell ein Gemeinschaftsgefühl.

Dieses Gefühl wurde noch intensiver, durch Feuer – in Form von Kerzen, Fackeln, und natürlich eines tatsächlichen Feuers. Auch der Gesang, die Gespräche und gemeinsames Trinken sowie das Essen an der langen Tafel mit allen zusammen haben den Ofen der Gefühle weiter angefacht.

Ja, wie den Meisten sicher bereits aufgefallen ist: Bei uns hat es gefunkt! Die Signale, die wir vom Bund bekommen haben, deuten darauf hin, dass es also ein gesteigertes Interesse von beiden Seiten gibt.

Wir sind gespannt, ob der Bund und wir beim zweiten Date den nächsten Schritt machen!

Basti, Stamm Monte Veritá

 

Das erste Date auf haddak.de.

Die stärksten Wölflinge

Eine Fahrt im Herbst mit dem ganzen Ring ? Wie soll das denn funktionieren? 60 Leute zum Wandern zu bewegen ist schon eine Herausforderung, doch wir stellten uns ihr. Auch wenn es anfangs noch etwas kompliziert wirkte, waren wir voller Hoffnung.

Geplant war eine Anwanderung in kleinen Gruppen, bestehend aus jeweils zwei Sippen verschiedener Stämme. Mittwochabend ging es dann los. Da wir die Zeitumstellung dieses Jahr schon hinter uns gebracht hatten, wurde es zu dieser Jahreszeit schon sehr früh dunkel. Also war unser erstes Ziel direkt ein Schlafplatz für den Abend. Den muss man in der Fränkischen Schweiz nicht sehr lange suchen. Neben uns stapelten sich nur so die perfekt geeigneten Wiesen. Wir hatten die Qual der Wahl. Nachdem wir uns geeinigt hatten, bauten wir zügig die Kohte auf und entzündeten ein Feuer, das uns Wärme spendete, denn sobald man stehen blieb und den Rucksack absetzte, drang die Kälte bis zu den Knochen und man bibberte am ganzen Körper. Mit dem Feuer ging es allen gut und wir machten uns einen gemütlichen Abend mit der fränkischen Spezialität der Raubvögel: Bodaggn (Kartoffeln) Salat und einem Karpfenersatz. Und so versanken wir in tiefe Diskussionen und machten uns irgendwann auch auf den Weg in unseren Schlafsack.

Und so versanken wir in tiefe Diskussionen und machten uns irgendwann auch auf den Weg in unseren Schlafsack.

Donnerstagmorgen liefen wir nach dem Frühstück so schnell wie möglich weiter, da die Kälte nicht sonderlich nachließ und wir an diesem Abend auch schon die nächsten zwei Sippen treffen sollten. Auf einem angenehmen Wanderweg ging es also weiter, bis wir eine zauberhafte Kreuzung erreichten und uns nur eine einzige Möglichkeit in den Sinn kam, um weiter bei so guter Laune zu bleiben: Ein Feuer. Also suchten wir sofort Holz und ließen uns mitten auf der Kreuzung nieder. Da die Schwarzen Löwen sehr motiviert waren, uns ein großes Münchner Festmahl zu servieren, begannen sie mit dem überaus leckeren Mittagessen. Das dauerte zwar seine Zeit, schmeckte aber deutlich besser, als man unter diesen Umständen erwartet hätte. Es gab Semmelknödel mit Rahmschwammerl. Wir wollten die nächste Gruppe, die wir treffen sollten, nicht zu lange warten lassen. Also beschlossen wir, direkt weiterzulaufen. Wir hatten noch einiges an Strecke vor uns. Um in Hoffend noch vor der Dunkelheit anzukommen, legten wir uns ordentlich ins Zeug, doch das half nicht viel. Eine halbe Stunde nach dem eigentlich abgemachten Zeitpunkt sahen wir die ersten Taschenlampen weiter weg und kurz darauf die ersten lärmenden Kinder. Wir hatten unser Ziel für diesen Tag erreicht. Also Feuer an, Kohte aufgebaut, Essen gemacht und Gitarre gestimmt; so genossen wir alle zusammen einen schönen Abend.

Es gab Semmelknödel mit Rahmschwammerl.

Der nächste Morgen kam und wir machten uns nach unserem morgendlichen Frühstücksfeuer mal wieder auf den Weg, es ging bergauf, bergab bis nach Gräfenberg. Wir kamen in einem höher gelegenen Dörfchen an, in dem uns gruselige Gestalten empfingen. Es war die Nacht der Nächte: Halloween. Doch die Monster erschraken eher vor uns als wir vor ihnen. Es war Freitag, also der Tag, an dem der ganze Ring zusammen kam. Alle Gruppen, die schon die letzten Tage gehaikt waren, plus die Wölflinge und die „Arbeiterschicht“, die leider keine Ferien hatten. Die Pünktlichkommer hatten schon einen schönen Platz gefunden und mit unserer Kohtenkonstruktion, einer „Karawane“, bestehend aus vielen aneinandergebauten Kamelen, angefangen. Es war ein schöner Abend mit dem ganzen Ring am Lagerfeuer. Alle aßen genüsslich ihr Sandwich und sangen danach lauthals in die Nacht.

Der Abend sollte ein ganz besonderer Abend für den Ring werden, denn das lang ersehnte neue Ringbanner wurde eingeweiht.

Am Samstag verlief die erste Etappe bis nach Hiltpoltstein besser als gedacht, allerdings hatten sich die Wölflinge mit ihren 60-Liter Rucksäcken zu viel vorgenommen. Also beschlossen wir nach der sonnigen Mittagspause den Sipplingen einen Vorsprung zu lassen, damit diese schon mal den Lagerplatz vorbereiten konnten. Endlich angekommen erkundeten wir den Lagerplatz und die Höhle für unsere Singerunde, die ein ganzes Stück weiter oben am Hang gelegen war. Allerdings war es nicht sehr einfach dorthin zu gelangen, es konnte passieren, dass man ungewollt auf dem Laub am Boden den Berg wieder nach unten surfte. Nachdem es alle hoch geschafft hatten, stimmten wir zur Singerunde an. Der Abend sollte ein ganz besonderer Abend für den Ring werden, denn das lang ersehnte neue Ringbanner wurde eingeweiht. Also sorgte man für Ruhe und alle warteten gespannt auf die Enthüllung des neuen Banners. Es wurde traditionell eingeweiht und feierlich sangen wir noch den ganzen Abend bis in den frühen Morgen und bahnten uns dann wieder den Weg zurück nach unten zu den Zelten.

Nach einer erfolgreichen Rückreise kann ich nur sagen, dass die Fahrt ein voller Erfolg war. Das ist ganz sicher eine Wiederholung wert.

Thea, Stamm Raubvögel

Die stärksten Wölflinge auf haddak.de.

Vom Ich zur Idee und zurück

Sommer 2012: Wir sitzen in der ukrainischen Sonne und plaudern über Gott, die Welt und natürlich auch ein wenig über nostalgische Erinnerungen. Führungsforum, damals 2004, das war was, das hat einen beeindruckt, ja wenn nicht sogar geprägt.

Herbst 2012: Auf dem Bundesrat sprechen wir erstmals die Idee aus. Die Resonanz ist durchweg positiv. Wir entschließen uns: wir machen’s und zwar „nur“ für den Bund, denn wir glauben, dass eine solche Aktion ihn weiter zusammen wachsen lassen und das Bundesgefühl stärken könne.

Winter 2013: Wir merken: Jetzt wird’s ernst, das gut Reden hat ein Ende, wir müssen Taten folgen lassen.

Frühjahr 2014: Wir treffen uns erstmals im Odessa, einem ukrainischen Restaurant. Wir wissen: Wir brauchen ein Thema, ein besondere Highlightveranstaltung am Freitagabend und natürlich Referenten, viele Referenten. Am Ende des Abends haben wir zumindest ein Thema: Ich.

Die folgenden Monate schreiben wir Mails, viele Mails. Schnell wird deutlich: Die Leute haben Bock, sie erinnern sich an das vergangene Forum und haben Lust – auch ohne diese Erfahrung – sowas mit auf die Beine zu stellen. Und auch die entscheidenden und schnell übersehenen Positionen sind schnell hochkarätig besetzt: Küche, Café und Kneipe werden mit geballter Kompetenz gefüllt.

Sommer 2014: Das Programm steht soweit, wenn jetzt noch die Referenten alle uns ihre Beschreibungen schicken würden. Und was ist eigentlich mit den Anmeldezahlen?

Oktober 2014: Es geht los. Die Leute tröpfeln ein. Vieles scheint uns noch nicht fertig. Vier Tage und drei Nächte liegen vor uns. Wir hoffen: mögen keine Katastrophen passieren.

Gegenwart: Wir erinnern uns. Von Anfang an war uns klar, dass wir kaum Zeit haben werden, die Referate zu besuchen. Und so war es dann auch. Was wir aber durften, war an der Aktion selbst teilzunehmen. Denn was in den vier Tagen geschah, haben wir sicher nicht geplant, höchstens ein paar Eckpfeiler dafür bereitgestellt. Wir haben einen Bund erlebt, der diesen Namen wirklich verdient. Wir haben einen diskutierenden, kreativen und wunderbar faulenzenden Bund erlebt. Wir sahen einen Bund, der kein Alter kennt und auch keine Hierarchien, sondern nur Freundschaft und Respekt.

Dies ist unsere Erinnerung an das Führungsforum 2014. Wieder hat es uns beeindruckt und ganz sicherlich hat es uns geprägt. Allen Teilnehmern danken wir hierfür herzlich.

Storch, Stamm Sperber & Erny, Stamm Graf Luckner

Vom Ich zur Idee und zurück auf haddak.de.

Eine breite Kluft

Im letzten Artikel habe ich euch einiges über die René-Pedrozo-Stiftung, das soziale Projekt des Bundes berichtet, unter anderem über die Projekte, wie die Vermittlungen von Patenkindern, das Krankenzimmer und das Waisenhaus.

Diesmal möchte ich den Fokus auf das Waisenhaus legen und euch etwas über die Hintergründe der zurzeit darin lebenden Mädchen erzählen. Es fällt schwer sich die Situation vor Ort vorzustellen, denn vieles ist so grundlegend anders als hier, eben eine ganz andere Kultur. Vielleicht hilft der Artikel ein weiteres Puzzleteil zum Gesamtbild hinzuzufügen.

In Deutschland wirft der Staat ein Auge auf jede Familie. Es gibt z.B. verpflichtende Kindervorsorgeuntersuchungen bei denen Krankheiten, Entwicklungsverzögerungen, mögliche Verwahrlosung oder Misshandlung frühzeitig erkannt werden kann. Werden diese Pflichttermine nicht wahrgenommen, wird das Jugendamt hellhörig. Ein Amt, das eigens für das Kindeswohl und die Unterstützung der Familien existiert. Das Wort ist oft negativ besetzt, ist aber dafür da, Familien, in denen es Probleme gibt, beratend zu unterstützen. Der Staat gibt finanzielle Hilfe und im Extremfall, bei Misshandlung und Vernachlässigung, werden die Kinder aus den Familien geholt und anderweitig untergebracht. Kinder müssen nicht auf der Straße leben und hungern. Auf den Philippinen gibt es eine solche soziale Absicherung durch den Staat nicht, die gewährleistet und überprüft, dass es allen Kindern in den Familien gut geht. Kinder leben oft in ärmsten Verhältnissen, müssen arbeiten gehen statt zur Schule zu gehen. Kinder, die vernachlässigt oder sexuell belästigt werden, die Opfer von Gewalt werden oder in Prostitution verwickelt werden, haben oft keine andere Wahl, als in ihren Familien zu bleiben, denn andere Möglichkeiten gibt es kaum. Großes Glück für die Kinder, die einen Platz im Waisenhaus in Bulacan bekommen. Neben den oben genannten Gründen sind auch Kinder im Waisenhaus, die keine Eltern mehr haben.

Sie erhalten Unterstützung und ein Dach über dem Kopf bis sie die Schule abgeschlossen haben, einen Beruf erlernt und auf eigenen Füßen stehen können. Oder es werden Verwandte ausfindig gemacht, bei denen die Mädchen sicher unterkommen können. Ewig können die Mädchen und jungen Frauen leider nicht im Waisenhaus bleiben, denn es gibt viele Kinder, die einen Platz im Waisenhaus benötigen. Ein gutes Beispiel dafür, dass aber gut bis zum Berufsabschluss gesorgt wird, ist Edna. Sie ist mit 15 Jahren in das Waisenhais gekommen. Und konnte mithilfe der Stiftung studieren. Isabelle, eine Mainzerin, die zurzeit auf den Philippinen im Waisenhaus mithilft war so nett ein Interview mit Edna zu führen und es zu übersetzen. Das möchte ich euch nicht vorenthalten:

Edna: Hallo, ich heiße Edna Mauricio und bin 24 Jahre alt. Zurzeit schreibe ich gerade meine Abschlussklausuren am College, ich mache den Bachelor of Science in Buchhaltung.

Isa: Um eine grobe Vorstellung von deinem Leben, vor allem von den Veränderungen, die mit dem Waisenhaus einhergegangen sind, zu bekommen, könnest du etwas darüber erzählen.

Edna: Im Alter von 6 bis 12 Jahren besuchte ich die Grundschule. Seit ich 8 Jahre alt war, wohnte ich aufgrund familiärer Probleme bei Verwandten meines Vaters. Diese konnten mir wegen mangelnder finanzieller Mittel den Besuch einer High School, welcher nach der Grundschule folgt, nicht mehr finanzieren. So begann ich mit 12 Jahren in einem Straßenladen als Verkäuferin zu arbeiten. Mit 15 Jahren kam ich dann durch die Bemühungen meiner Mutter in das Waisenhaus der René Pedrozo Stiftung. Dies ermöglichte mir mit 15 Jahren (üblich sind 12) die High School zu besuchen. Seit ich 19 Jahre alt bin, studiere ich am College und mache nun mit 24 Jahren meinen Abschluss dort.

Isa: Wie würdest du dein Leben vor dem Waisenhaus beschreiben?

Edna: Ich kam aus einer gebrochenen Familie und wusste nicht wie meine Zukunft aussehen sollte.

Ich kam aus einer gebrochenen Familie und wusste nicht wie meine Zukunft aussehen sollte.

Isa: Wie glaubst du sähe dein Leben jetzt aus ohne die Stiftung?

Edna: Ich denke nicht, dass ich eine Möglichkeit gehabt hätte, eine Schule oder ein College zu besuchen. Vielleicht hätte ich schon geheiratet und ein Baby, ich weiß es nicht.

Isa: Erinnerst du dich wie deine ersten Gefühle waren als du hier ankamst?

Edna: Ich war natürlich sehr aufgeregt und ein bisschen ängstlich, ich war ja schließlich alleine. Aber ich habe von Anfang an gewusst, dass es das absolut Richtige für mich und meine Zukunft war. Ich war sehr glücklich, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde weiterhin eine Schule zu besuchen.

Isa: Was hat die Stiftung für dich verändert?

Edna: Die Stiftung hat mir die große Chance gegeben mein Leben grundlegend anders zu gestalten. Ohne diese Stiftung und das Waisenhaus hätte ich nie das College besucht und nie die Möglichkeiten gehabt einmal den Beruf einer Buchhalterin auszuüben.

Isa: Was hast du für Pläne für die Zukunft?

Edna: Schon während meiner High School Zeit kam mir der Gedanke, dass ich der Stiftung gerne etwas zurückgeben würde. Die Stiftung hat so viel für mich verändert, dass ich mich entschieden habe dort zu arbeiten. Nach meinen Abschlussklausuren werde ich als Sekretärin eingestellt.
Schon seit der High School bis zum 2. Collegejahr habe ich dort ausgeholfen und mich um die Akten philippinischer Patenkinder der Stiftung gekümmert.

Isa: Die Familie Pedrozo bezeichnet dich als einen großen Erfolg, was sagst du dazu?

Edna: Oh wow, das hätte ich nicht erwartet. Ich bin unglaublich dankbar, dass sie so über mich denken und ich hoffe, dass sie das in Zukunft noch über viele andere Mädchen des Waisenhauses sagen können.

Isa: Möchtest du abschließend noch etwas über die Stiftung sagen?

Edna: Ja. Zu allererst möchte ich Herr und Frau Pedrozo danken, welche diese Stiftung gegründet haben. Danken will ich auch jedem deutschen Bürger, der uns mit seinen Spenden unterstützt. Ohne diese Stiftung und ohne die Unterstützung der deutschen Gemeinschaft, hätte ich mein Leben nicht ändern können und niemals meine Träume erreicht. Vielen Dank! Auch im Namen aller Kinder hier!

Falls ihr mit eurer Gruppe eine Aktion starten wollt oder auch einfach Privat spenden wollt. Hier ist die Spendenadresse der Stiftung:

René-Pedrozo-Hilfe e.V.
IBAN: DE47 5519 0000 0402 4280 15

Habt ihr, eure Sipplinge oder Wölflinge Fragen zum sozialen Projekt? Dann schreibt mir einfach an marie@stwilligis.de. Ich freue mich auch zu hören, ob ihr das Projekt zum Thema bei euren Heimabenden gemacht habt oder ob ihr Aktionen plant oder vielleicht sogar schon durchgeführt habt?

Marie, Stamm St. Willigis

Eine breite Kluft auf haddak.de.

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